Es war Sommer und ich war wohl 10 oder 11 Jahre alt, als ich auf der Farm meines Grossonkels den Grundstein für meine heutige Arbeit als Hundeflüsterer legte.

Auf der Farm lebten viele Tiere harmonisch miteinander: es gab dort Pferde, Schweine, Schafe, Truthähne, Hühner, Katzen und einen Hund...

Sein Name war "Rex". Ein deutscher Schäferhund mit der Funktion eines "scharfen" Wachhundes. Niemand traute sich in seine Nähe, denn er nahm seine Rolle extrem ernst. Rex lief den ganzen Tag an einer zwischen den Bäumen gespannten Laufleine. Sobald jemand in seine Nähe kam, ging ein besonders dramatisches Spektakel des bellenden Angriffs los; teilweise so aggressiv, dass man Sorge hatte, er würde sich eines Tages selbst an seiner Leine strangulieren. Als Junge fand ich es gleichermassen beeindruckend wie auch beängstigend.

Doch dann fasste ich eines Tages all meinen Mut zusammen und näherte mich dem Hund.

Ich blieb mit respektablen Abstand ausserhalb seiner Reichweite ruhig stehen und atmete gleichmässig.

Sofort legte er los und sprang mir aggressiv bellend entgegen, bis er durch das Ende der Leine zurückgerissen wurde. Unbeirrt stand ich vor dem bellenden Hund und wirkte mit Wörtern wie „ruhig“ und „langsam“ in sanften Ton auf ihn ein. Es dauerte wohl keine zehn Minuten, dass er sich beruhigte und von alleine in „Sitz“ ging. Heute weiss ich, dass dies ein klares Zeichen von Kontrollübergabe ist und er nun wartet, was von Seiten des Menschen als nächstes kommen wird. Ich übte mit Rex, bis ich mich schliesslich mit meiner Hand nähern durfte, um einen ersten zwanglosen physischen Kontakt aufzunehmen. Schrittweise wuchs das Vertrauen, bis ich tatsächlich selbst neben dem sitzenden Hund abkniete und meinen Arm um ihn legte.

Das war ein grosser Moment für mich und erweckte in mir eine tiefe Sicherheit und liebevolle Stärke gegenüber Hunden.

Es war die Geburtsstunde für mich als Hundeflüsterer.